01

Lawinenarten

Es gibt verschiedene Arten von Lawinen. Jede hat eigene Merkmale, Entstehungsbedingungen und Gefahren. Verstehe die Unterschiede und erkenne die Warnsignale.

Der häufigste Typ

Schneebrettlawinen

Schneebrettlawinen sind die gefährlichsten Lawinen in den Alpen. Sie entstehen, wenn eine zusammenhängende Schneedecke (das „Brett") auf einer Schwachschicht abgleitet. Das Brett kann riesig werden und mit enormer Kraft ins Tal stürzen.

  • Entstehen auf Hängen zwischen 30° und 45°
  • Können durch Skifahrer, Bergsteiger oder Neuschnee ausgelöst werden
  • Hinterlassen charakteristische „Bruchkanten"
  • Geschwindigkeit: bis zu 300 km/h
  • Schwachschicht 30-45°

    Der Klassiker

    Lockerschneelawinen

    Lockerschneelawinen entstehen aus einzelnen Schneekristallen, die lose zusammenhängen. Sie sind meist kleiner als Schneebrettlawinen, können aber trotzdem gefährlich sein – besonders wenn sie Felsen mitreißen.

  • Entstehen besonders nach Neuschneefall
  • Beginnen meist an einem Punkt und wachsen talwärts
  • Können von selbst abgehen oder ausgelöst werden
  • Hinterlassen einen charakteristischen „Staub" oder „Spray"
  • Auslösepunkt

    Der Schleicher

    Gleitschneelawinen

    Gleitschneelawinen entstehen, wenn die gesamte Schneedecke auf dem Untergrund abgleitet – wie auf einer Rutschbahn. Sie können jederzeit ohne erkennbaren Grund abgehen und sind schwer vorherzusagen.

  • Entstehen auf glattem Untergrund (Fels, Gras, Eis)
  • Können auch bei stabilem Schnee auftreten
  • Hinterlassen charakteristische „Gleitschneekörper" (T-Wracks)
  • Besonders gefährlich im Frühling
  • Gleitet Schmelzwasser

    Die drei Typen im Vergleich

    Typ 1

    Schneebrett

    Häufigkeit: Sehr häufig
    Geschwindigkeit: Sehr schnell (bis 300 km/h)
    Größe: Sehr groß
    Warnsignale: Risse, dumpfe Geräusche
    Gefahr: Sehr hoch

    Typ 2

    Lockerschnee

    Häufigkeit: Häufig
    Geschwindigkeit: Schnell (bis 100 km/h)
    Größe: Klein bis mittel
    Warnsignale: Staubwolke
    Gefahr: Mittel

    Typ 3

    Gleitschnee

    Häufigkeit: Seltener, aber regelmäßig
    Geschwindigkeit: Mittel (bis 150 km/h)
    Größe: Groß
    Warnsignale: T-Wracks
    Gefahr: Hoch

    Das Herzstück: Die Schwachschicht

    Eine Schwachschicht ist eine dünne Schneeschicht mit schlechteren Hafteigenschaften. Sie ist der Grund, warum Schneebrettlawinen entstehen. Es gibt verschiedene Typen:

    01

    Schwachschicht aus Oberflächenreif

    Entsteht, wenn Wasserdampf direkt in Eiskristalle umwandelt. Diese Kristalle haben schlechte Bindung zu höheren Schichten. Typisch nach klaren, kalten Nächten.

    02

    Schwachschicht aus feinkristallinem Schnee

    Kleine, runde Schneekristalle mit schlechter gegenseitiger Bindung. Entstehen oft zwischen verschiedenen Schneefall-Episoden.

    03

    Schwachschicht aus kantigen Körnern

    Entstehen durch Temperaturgradienten. Diese kantigen, porenähnlichen Kristalle haben extrem schlechte Bindung – eine der gefährlichsten Schwachschichten.

    04

    Schwachschicht aus Krusten

    Dünne Eiskrusten zwischen Schneelagen. Besonders gefährlich, weil Skifahrer nicht merken, dass sie glatt sind.

    💡 Wichtiger Punkt

    Du kannst eine Schwachschicht von außen nicht sehen. Eine Lawinengo-Sonde ist das wichtigste Werkzeug, um Schwachschichten zu finden und zu testen. Lerne in Kapitel 3, wie man die richtige Ausrüstung nutzt.

    Zurück Weiter